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„Heute Abend zeigen wir Ihnen eine Reihe Werbespots und – wenn Sie genau hinsehen – auch einen Krimi.“ Lakonisch spöttelnd, trat Alfred Hitchcock in den 50er und 60er Jahren in der nach ihm benannten TV-Reihe vor das Publikum, stellte die aktuelle Folge vor oder kündigte die Werbeunterbrechung an. Es dauerte nicht lange, bis tatsächlich alle genau hinsahen – und das eben nicht nur auf die Krimis, sondern besonders auf die Auftritte des Gastgebers. Bunt kostümiert, aber mit würdiger Miene führte er die eigenen Werbekunden vor und erfüllte lustvoll ihre schlimmsten Befürchtungen: Wenn die Autoindustrie zahlte, präsentierte er zuverlässig die Geschichte eines tödlichen Verkehrsunfalls. Die Werber schluckten den Hohn vermutlich gern; so viel Aufmerksamkeit hatte noch niemand auf ihre Spots gelenkt.
Der Gastgeber erwies sich aber nicht nur als Werbeanarchist. In eigener Sache war er ein genialer Vermarkter. Hitchcock, dessen Shamley Productions die Serie herstellte, handelte geschickt mit den Senderechten. Als er sie an die MCA abgab, wurde er im Gegenzug zu einem Hauptaktionär des Medienkonzerns. Zudem steigerten die Kurzauftritte seinen Wert als Markenname; und das obwohl nicht Hitchcock, sondern James Allardice die Skripts dafür verfasste. Er wurde später auch zum Redenschreiber des Regisseurs und gestaltete Trailer für dessen Kinofilme.
359 TV-Episoden gingen zwischen 1955 bis 1965 über den Sender; zunächst waren es die Halbstünder von „Alfred Hitchcock presents“; die letzten 93 Fälle liefen als „Alfred Hitchcock Hour“ über volle sechzig Minuten – die Reklame immer mitgerechnet. Ende der 60er zeigte das deutsche Fernsehen zwölf der Einstünder – frei synchronisiert, teils geschnitten und mit Hitchcock-Auftritten, die eigentlich zu anderen Episoden gehörten. Zwei im Booklet gut kommentierte DVD-Sets bringen sie jetzt in der deutschen und in der Originalfassung und ergänzen sie um acht untertitelte Episoden.
Auch wenn der Master of Suspense nur vereinzelt selbst inszenierte, dürfte die Serie seinem Humor entsprochen haben: Komplizenhaft schildert sie kleinbürgerliche Abgründe, mehrfach pro Folge kippen sämtliche Erwartungen in ihr Gegenteil um, damit in der sarkastischen Schlusspointe doch wieder alles anders aufgelöst wird als vermutet. Verbrechen lohnt nicht, ist der Tenor von Hitchcocks Abmoderationen, und sein Tonfall sagt: Aber Spaß macht es doch. Für Cineasten ist die Serie auch wegen vieler, oft erst später berühmt gewordener Mitwirkender interessant: Sydney Pollack etwa hat das Horrorszenario einer Anthrax-Seuche inszeniert; seine Hoffnung, die Episode würde als neue Serie ausgekoppelt, zerschlug sich allerdings. Ein anderer Fall stammt von William Friedkin („Der Exorzist“); zudem gibt es Auftritte von Christopher Lee, Robert Redford, David Carradine und Gena Rowlands. Das Schönste aber bleiben Hitchcocks Unterbrechungen. Bis heute träumt jeder in der Medienwelt davon, einmal diesen Satz zu sprechen: „Hier sind wieder unsere Sponsoren. Ständig rufen sie an; nie gehen wir ans Telefon. Man sollte meinen, Sie begreifen es langsam – aber nein!“
„Alfred Hitchcock zeigt“.
(„The Alfred Hitchcock Hour“). Koch Media. Zwei Sets mit je drei DVDs im Buchschuber.
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